Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer ist eine Quellensteuer, welche auf Kapitalerträge erhoben wird. Als Quellensteuer werden Steuern bezeichnet, welche direkt von der Quelle abgezogen werden und vom Sparer selbst oder dem zuständigen Kreditinstitut an das Finanzamt abzuführen sind. In Deutschland zählen, neben der Abgeltungssteuer, auch die Zinsabschlagssteuer, die Kapitalertragssteuer und die Lohnsteuer zu den Quellensteuern. Die Abgeltungssteuer wird mit einem festen Steuersatz berechnet, welcher vom Einkommenssteuersatz des Betreffenden abhängig ist. Mit der Abgeltungssteuer ist die auf Kapitalerträge entfallende Einkommenssteuer abgegolten, dies stellt einen wesentlichen Unterschied zur Kapitalertragssteuer ohne Abgeltungswirkung dar.

In Kraft trat die Abgeltungssteuer Anfang des Jahres 2009. Die Regelung basiert auf dem Unternehmensteuerreformgesetz aus dem Jahre 2008. Wurden vorab alle Einkünfte mit dem selben Steuersatz besteuert, gelten nun für Kapital- und Erwerbseinkommen verschiedene Steuersätze. Mit der Abgeltungssteuer versteuerte Kapitalerträge müssen nicht mehr in der jährlichen Einkommenssteuererklärung genannt werden. Unabhängig von der Höhe des individuellen Steuertarifs werden die Einkünfte pauschal mit 25% versteuert. Überschüssige Einkünfte aus Kapitalvermögen können nicht durch die Geltendmachung von Werbungskosten oder durch den entsprechenden Pauschbetrag vermindert werden. An dieser Stelle greift der Sparer-Pauschbetrag, welcher 801 Euro für Ledige und 1 602 Euro für Ehepaare beträgt und in Form eines Freistellungsauftrages geltend gemacht werden kann. Dieser ist mittels Formblatt bei den jeweiligen Banken zu beantragen und kann bis Zur Höhe seiner Ausschöpfung auf beliebig viele Konten aufgeteilt werden. Dies gilt jedoch nicht für Erträge, welche aus einer unternehmerischen Tätigkeit stammen. Die Abgeltungssteuer umfasst dagegen auch private Veräußerungen und die Erträge aus Auszahlungen von Wertpapiergeschäften.

Die Höhe der Abgeltungssteuer ist in § 43a des Einkommenssteuergesetzes festgelegt und beträgt einheitlich 25%. Dazu gerechnet werden der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% der Abgeltungssteuer, sowie eine eventuelle Kirchensteuer, welche mit acht oder neun Prozent der Abgeltungssteuer zu Buche schlägt. Jedes deutsche Kreditinstitut unterliegt der Pflicht, Abgeltungssteuer zu erheben und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Bei mit einer Emittentensteuer belegten Erträgen, wie bei inländischen Dividenden, übernehmen es die Emittenten, die Steuer abzuführen. So fließt der Bank letztlich ein bereits vor besteuerter Betrag zu. Die Bank behält in diesem Falle lediglich die Kirchensteuer ein und führt sie ab.

Mit einer Abgeltungssteuer belegt werden laufende Ertrage, wie Dividenden, Zinsen, Fonds, Zertifikate und Erträge aus diversen Kapitalforderungen, soweit eine Rückzahlung bereits geleistet wurde oder zugesagt worden ist. Die Steuer greift auch, wenn der Termin für eine Rückzahlung lediglich vereinbart, letztlich aber noch ungewiss ist. Weiterhin von der Abgeltungssteuer betroffen sind Veräußerungsgeschäfte von Geschäfts- oder Aktienanteilen, Kupons oder Lebensversicherungen. Keine Abgeltungssteuer abgezogen wird dagegen bei Veräußerungen von Anteilen aus Kapitalgesellschaften, wenn der Veräußerer im Laufe der letzen fünf Jahre mindestens mit einem Prozent am Geschäft beteiligt war. Bei Einnahmen aus einem Gewerbebetrieb kommt statt der Abgeltungssteuer immer der persönliche Steuersatz zur Geltung. Freistellungsaufträge haben in diesem Falle keine Gültigkeit. Auf die Abgeltungssteuer angerechnete Erträge müssen nicht mehr in der Einkommensteuererklärung aufgeführt werden. Der Sparer kann jedoch beantragen, alle seine Kapitalerträge in der Steuererklärung zu erfassen, dies ist zum Beispiel ratsam, wenn der Grenzsteuersatz geringer als 25% ausfällt.

Von der Abgeltungssteuer profitieren vorrangig Personen mit mittlerem oder höherem Einkommen, welche daraus entsprechende Zinsgewinne erzielen. Gegenüber individuellen Spitzensteuersätzen der Besserverdienenden von bis zu 45% fällt die Abgeltungssteuer mit 25% eher gering aus. Wer ein geringes Einkommen besitzt, hat die Wahl, von der bisherigen Regelung Gebrauch zu machen, um keine Nachteile aus der Abgeltungssteuer zu besitzen. Nachteilig kann die Abgeltungssteuer für die Anleger von Aktien und Dividenden ausfallen, wenn die entsprechenden Verträge nach dem 31. Dezember 2008 geschlossen wurden. Die erzielten Kursgewinne unterliegen ab dem Jahr 2009 vollständig der Abgeltungssteuer.